Hinrichtungsstätten, ein Luxushotel und Theaterbühnen.
Homeless at Home untersucht, wie politische Narrative entstehen, verbreitetund verinnerlicht werden und macht ihre bis heute nachwirkende Präsenz in Landschaft, Architektur und kollektivem Gedächtnis sichtbar. Archivaufnahmen treten in Dialog mit Bildern des heutigen Taiwan und verweben historische Erzählungen mit dem Alltag der Gegenwart. So entsteht eine meditative Annäherung daran, wie Geschichte den gegenwärtigen Raum weiterhin durchdringt.
Der Film richtet seinen Blick auf die Verflechtungen von Kultur, Erinnerung und politischer Macht. Er reflektiert die Entstehung taiwanesischer Identität ebenso wie die Mechanismen, mit denen Staaten kollektives Bewusstsein formen. Gleichzeitig macht er die Beharrlichkeit lokaler Traditionen, gelebter Erfahrungen
und alternativer Formen des Erinnerns sichtbar. Im abschließenden Kapitel der Taiwan-Trilogie richtet sich der Blick auf das kulturelle Erbe der Zeit des Kriegsrechts und dessen Nachwirkungen in der
taiwanesischen Gegenwart.
Die Ausstellung verbindet eine skulpturale Installation mit einer Fünf-Kanal-Videoinstallation. Eine überdimensionierte, rotierende Fliegenabwehr, ein vertrauter Alltagsgegenstand aus taiwanesischen Märkten und Ständen. Über dem Raum schwebend wird sie zum Sinnbild eines Landes im Zustand permanenter
Wachsamkeit. Wie die Fliegen, die sie vertreibt, lassen sich politischer Druck und autoritäre Hinterlassenschaften zwar für einen Moment verdrängen, verschwinden jedoch nie vollständig.
Der 29-minütige essayistische Film verbindet frühes staatliches Propagandamaterial mit Hinter-den-Kulissen-Aufnahmen und Aufführungen der traditionellen Taiwan-Oper. Ohne Geschichte nachzuerzählen, spürt das Werk den Spuren politischer Ideologie in Sprache, Bildung und kultureller Praxis nach. Die systematische Abwertung lokaler Sprachen und Kunstformen während der frühen KMT-Herrschaft wirkt bis in die Gegenwart nach und prägt bis heute kollektive Erinnerung und Fragen kultureller Identität.
Aufnahmen historisch aufgeladener Orte, ehemalige Hinrichtungsstätten der Militärdiktatur bis zum Grand Hotel, verweben sich mit Beobachtungen des heutigen Taiwan. Rote Baustützen greifen die Bildsprache des Films im Ausstellungsraum auf und verweisen darauf, dass Ideologie nicht nur historisch überliefert wird, sondern fortwährend errichtet, stabilisiert und gesellschaftlich getragen wird.
Documentation : Jakob Dieckmann
2026
Videoinstallation